- Neue
Zürcher Zeitung
- 17. April
2001
- International
- (En
français en dessous)
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- Medizin
am Beispiel Kantha Bopha
- Konferenz
über günstigere Medikamente für die
Dritte Welt
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- In
Norwegen ist eine Konferenz der
Weltgesundheitsorganisation (WHO) mit verschiedenen
Partnern über die Möglichkeit, wie Patienten
in der Dritten Welt mit preisgünstigeren
Medikamenten zu versorgen seien, ergebnislos zu Ende
gegangen. Die Redaktion stellt den Agenturangaben
einen Text des Schweizer Kinderarztes
«Beatocello» Beat Richner gegenüber,
der vor zehn Jahren im Alleingang mit Spendengeldern
die medizinische Versorgung der Kinder Kambodschas
angepackt hat und heute in seinen drei
Kantha-Bopha-Spitälern die pädiatrische
Landesversorgung gewährleistet.
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- Oslo,
im April. (ap) Eine dreitägige Konferenz
zur Versorgung von Entwicklungsländern mit
Medikamenten ist in Norwegen ohne Fortschritte beendet
worden. Fünf Nichtregierungs-Hilfsorganisationen
äusserten sich in einer gemeinsamenErklärung
enttäuscht über den Verlauf des Treffens.
Etwa 80 Vertreter der Weltgesundheitsorganisation
(WHO), der Welthandelsorganisation(WTO), von
Pharmaunternehmen und Hilfsorganisationen
erörterten im norwegischen Ort Hamar die
Möglichkeiten, wie Patienten in der Dritten Welt
mit lebensnotwendigen Medikamenten zu erschwinglichen
Preisen zu versorgen wären. Kein wirklicher
Fortschritt sei erzielt worden, um die Preise für
wesentliche Medikamente zu senken, heisst es in der
Erklärung der Nichtregierungs-
Hilfsorganisationen. Die WHO-Generaldirektorin,
Brundtland, beklagte in einem Telefoninterview, dass
ein Drittel der Weltbevölkerung keinen Zugang zu
wichtigen Medikamenten habe.
- Nach
Schätzungen der WHO könnten jährlich
vier Millionen Menschenleben gerettet werden, wenn
Krankheiten umgehend behandelt würden.
Uneinigkeit bestand unter anderem darüber, in
welchen Staaten und für welche Krankheiten
Medikamente günstiger verkauft werden sollten.
Der Generaldirektor des Verbands der Pharmahersteller,
Bale, sagte, der Zugang zu wichtigen Medikamenten
müsse zwar verbessert werden. Die Pharmaindustrie
könne jedoch nicht allein für den Aufbau von
Gesundheitssystemen in der Dritten Welt verantwortlich
sein.
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- Armselige
Behandlung armer Menschen in armen
Ländern?
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- Von
Beat Richner
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- Ein
Beispiel armer Medizin für arme Menschen in armen
Ländern ist der Gebrauch der Medikamente. Immer
noch wird das Antibiotikum Chloramphenicol verwendet,
das in den USA und in Europa seit 1970 verboten ist.
Verboten wegen der schweren Nebenwirkungen:
Knochenmarkaplasie; die Wahrscheinlichkeit, an
Leukämie zuerkranken, steigt um das 13fache;
isolierte Anämien und anderes mehr. In Kambodscha
wirkt das Medikament noch viel gefährlicher als
in Europa, da seine Metabolisierung durch die Leber
erfolgt und Krankheiten wie Malaria, Denguefieber,
Typhus, die alle häufig sind, auch die Leber
tangieren.
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- Vergiftung
mit Chloramphenicol
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- Woche
für Woche sehen wir Kinder in unseren
Kantha-Bopha-Spitälern, die verbluten und
sterben, weil sie anderswo mit Chloramphenicol
vergiftet wurden. Aber nach wie vor steht das
Medikament auf der «essential drug list» der
WHO. Warum? Weil es billig ist. Zwanzigmal billiger
als die einzige korrekte Alternative, Ceftriaxon. Aber
das in der Ersten Welt verbotene Medikament
tötet. In unseren Mikrobiologielabors - Kantha
Bopha I bis III sind die einzigen Spitäler im
Lande mit Mikrobiologie, denn diese Labors sind ja zu
teuer für ein so armes Land - sehen wir, dass bis
zu 100 Prozent der Keime resistent sind gegen
Chloramphenicol. Wer ein Kind damit behandelt,
verhält sich kriminell. Er tötet das Kind
aktiv und passiv, da die Behandlung nichts nützt,
Zu behandelnde Infektionen bei Kindern in Kambodscha
verlaufen unbehandelt tödlich. Das billige
Medikament Chloramphenicol durch Ceftriaxon zu
ersetzen, kostet uns im Jahr 1, 6 Millionen
Dollar. Das sei Luxus, wird in Genf bei der WHO
gesagt.
- Mit
der Strategie der armen Medizin in der armen Welt
für arme Leute ist die reiche Welt nicht nur
schuldig am Tod von Millionen von Opfern, sie verpasst
auch den Frieden. Es wäre an der Zeit, dass die
reiche Welt nun die Chance wahrnimmt, humanitäre,
effiziente, korrekte und nicht korrupte
Infrastrukturen zu finanzieren, die Frieden bringen.
Nicht faulen Frieden, sondern gelebten Frieden wie in
Kantha Bopha.
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- Aids-Bekämpfung
in Kambodscha
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- Wir
sind nun daran, in Siem Reap Angkor eine
Maternité zu bauen zur Unterbindung der
Übertragung von Aids von der Mutter aufs Kind.
Mit der medikamentösen Behandlung von Mutter und
Kind und der Durchführung einer Sektion kann das
Risiko des Kindes, mit Aids infiziert zu sein, von
achtzig Prozent auf null dezimiert werden. Wir werden
die Mütter jeweils weiter behandeln, um die
Lebenserwartung um 15 Jahre zu verlängern, damit
das Kind nicht Waise wird. Monatlich haben wir
gegenwärtig unter den hospitalisierten Kindern
100 neue Aids-Fälle zu verbuchen. In Kambodscha
besteht die höchste Zuwachsrate von Aids in der
Welt. Aids wurde 1992/93 von den 22 000
Uno-Soldaten eingeschleppt und verbreitet. Zuvor war
Kambodscha als geschlossene Gesellschaft von Aids
frei. Die Uno und die WHO haben zurzeit alle
Interventionsprogramme abgeschlagen, in vollem Wissen
um die Situation. Spätestens am 1. Oktober
2001 soll die Maternité in Betrieb genommen
werden.
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- Erkenntnisse
hinaustragen
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- Ferner
beginnen wir am 1. Mai mit dem Bau eines
Ausbildungs- und Konferenzzentrums in Siem Reap. So
können wir unsere Erfahrungen und Erkenntnisse
hinaustragen. Wir eröffnen dieses Zentrum mit
einem internationalen Symposium über
Pädiatrie und Perinatologie in derarmen Welt am
30. April 2002. In diesem Zentrum führen wir
Kurse durch für Kambodschaner, für Kollegen
der südostasiatischen Länder, aber auch zwei
Monatskurse für vorgerückte Medizinstudenten
oder junge Ärzte aus dem Westen. Dieses Vorhaben
wird auch von der schweizerischen
Entwicklungszusammenarbeit unterstützt. Denn
dieses Zentrum wird unsere globale Ausstrahlung
untermauern, denn immer mehr Delegationen aus Asien
und Südostasien, vor allem aus Regierungskreisen,
besuchen unsere Spitäler. So wird es später
leichter gelingen, von Stiftungen, die nur Programme
und Projekte mit globalem Impact finanzieren, Gelder
zu erhalten. In Kambodscha zahlt noch niemand Steuern.
Es braucht noch zehn Jahre, bis sich der Staat
wirtschaftlich einigermassen erholt und dann die
Spitäler finanziell mittragen kann.
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- La
médecine à l'exemple de Kantha
Bopha
- Conférence sur
l'approvisionnement du Tiers Monde en
médicaments meilleur
marché
-
- En
Norvège, une conférence de
l'Organisation mondiale de la santé (OMS)
réunissant divers partenaires et chargée
d'examiner la possibilité d'approvisionner le
Tiers Monde en médicaments meilleur
marché n'a abouti à aucun
résultat. La rédaction oppose aux
dépêches des agences un texte du
pédiatre suisse Beat Richner, « Beatocello
», qui s'est attaqué seul, il y a dix ans,
et avec l'aide de donateurs, au traitement
médical des enfants du Cambodge ; aujourd'hui,
dans ses trois hôpitaux Kantha Bopha, il assure
des soins pédiatriques à
l'échelle nationale.
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- Oslo, avril. (ap)
Une conférence de trois jours portant sur la
fourniture de médicaments aux pays en
développement a pris fin, en Norvège,
sans résultat concret. Cinq organisations
d'entraide non gouvernementales ont publié une
déclaration commune, dans laquelle elles ont
exprimé leur déception face au
déroulement de la conférence. Environ 80
représentants de l'Organisation mondiale de la
santé (OMS), de l'Organisation mondiale du
commerce (OMC), d'entreprises pharmaceutiques et
d'organisations humanitaires ont examiné
à Hamar (Norvège) la possibilité
de fournir aux patients du Tiers Monde des
médicaments vitaux à des prix
abordables. Aucun progrès véritable
n'aurait été accompli pour faire baisser
le prix de médicaments essentiels, selon la
déclaration des organisations non
gouvernementales. La directrice générale
de l'OMS, Mme Brundtland, a déploré dans
une interview téléphonique qu'un tiers
de la population mondiale n'ait pas accès aux
médicaments les plus importants.
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- Selon les
estimations de l'OMS, quatre millions de vies humaines
pourraient être sauvées chaque
année si les maladies étaient
soignées sans délai. Les opinions
étaient divisées en ce qui concerne les
pays et les maladies à privilégier pour
la vente de médicaments meilleur marché.
Le directeur général de la
Fédération des fabricants de produits
pharmaceutiques (Bâle) a reconnu que
l'accès aux médicaments essentiels
devait certes s'améliorer. Mais l'industrie
pharmaceutique ne pouvait, à elle seule,
assumer la responsabilité de la mise en place
de systèmes de santé dans le Tiers
Monde.
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- Une médecine
pauvre pour les pauvres des pays pauvres ?
-
- Par Beat
Richner
-
- Un exemple de
médecine pauvre pour les pauvres des pays
pauvres : l'usage des médicaments.
L'antibiotique chloramphénicol y est encore
toujours utilisé, alors qu'il est interdit aux
Etats-Unis et en Europe depuis 1970. Interdit en
raison des effets secondaires graves : aplasie
médullaire, multiplication par treize des
risques de leucémie, anémies
isolées, etc. Au Cambodge, le médicament
a un effet encore plus nocif car sa
métabolisation s'effectue par le foie et que
des maladies fréquentes, telles que le
paludisme, la dengue et le typhus affectent le
foie.
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- Empoisonnement au
chloramphénicol
-
- Chaque semaine,
nous voyons dans nos hôpitaux Kantha Bopha des
enfants qui dépérissent et qui meurent
parce qu'ils ont été empoisonnés
ailleurs au chloramphénicol. Pourtant, le
médicament figure toujours sur la «
essential drug list » de l'OMS. Pourquoi ? Parce
qu'il ne coûte pas cher. Vingt fois moins cher
que la seule variante efficace, le Ceftriaxon. Mais le
chloramphénicol, interdit en Occident, est
mortel. Dans nos laboratoires de microbiologie -
Kantha Bopha I, II et III sont les seuls
hôpitaux du pays à en posséder,
car ces laboratoires sont trop chers pour un pays
aussi pauvre -, nous constatons que jusqu'à
100% des germes résistent au
chloramphénicol. Celui qui soigne un enfant
avec ce médicament est un criminel. Il tue
l'enfant d'une manière active et passive, car
le traitement ne sert à rien. Sans traitement,
les infections dont souffrent les enfants du Cambodge
sont mortelles. Le remplacement du
chloramphénicol, bon marché, par le
Ceftriaxon nous coûte chaque année 1,6
million de dollars. C'est du luxe, dit-on à
l'OMS.
- En appliquant la
stratégie d'une médecine pauvre pour les
pauvres des pays pauvres, le riche Occident n'est pas
seulement responsable de la mort de millions
d'êtres humains, mais il compromet aussi la
paix. Il serait temps que les pays riches saisisse
l'occasion de financer des infrastructures
humanitaires efficaces, correctes et non corrompues,
porteuses de paix. Non pas une paix paresseuse, mais
une paix vécue comme à Kantha
Bopha.
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- Lutte contre le
sida au Cambodge
-
- Nous sommes en
train de construire une maternité à Siem
Reap Angkor, en vue d'empêcher la transmission
du sida de la mère à l'enfant.
Grâce au traitement médicamenteux de la
mère et de l'enfant et par le recours à
une césarienne, le risque de contamination de
l'enfant est réduit de 80% à 0%. Nous
continuerons à traiter les mères, pour
prolonger de 15 ans leur espérance de vie et
faire en sorte que les enfants ne soient pas
orphelins. Chaque mois, nous enregistrons actuellement
100 nouveaux cas de sida parmi les enfants
hospitalisés. Le Cambodge a le taux de
croissance du sida le plus élevé du
monde. Le sida a été introduit et
répandu en 1992-93 par les 22 000 soldats de
l'ONU. Auparavant, le Cambodge était une
société fermée, à l'abri
du sida. L'ONU et l'OMS ont refusé
jusqu'à présent tous les programmes
d'intervention, et ce en toute connaissance de cause.
La maternité entrera en service au plus tard le
1er octobre 2001.
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- Transmission des
connaissances
-
- Par ailleurs, nous
entamerons le 1er mai la construction d'un centre de
formation et de conférence à Siem Reap.
Nous pourrons ainsi transmettre nos expériences
et notre savoir. Nous inaugurerons ce centre en
organisant un symposium international sur la
pédiatrie et la périnatalogie dans les
pays pauvres, le 30 avril 2002. Dans ce centre, nous
organiserons des cours destinés aux
Cambodgiens, aux confrères des pays du Sud-Est
asiatique, mais aussi des cours de deux mois pour
étudiants en médecine avancés ou
jeunes médecins de l'Occident. Ce projet est
également soutenu par la coopération
suisse au développement. Et ce centre
renforcera notre rayonnement mondial, car de plus en
plus de délégations asiatiques,
notamment de représentants de gouvernements,
visitent nos hôpitaux. Il sera ainsi
ultérieurement plus facile d'obtenir une aide
financière de fondations qui ne soutiennent que
des programmes et des projets à vocation
mondiale. Au Cambodge, personne ne paie
d'impôts. Il faudra encore dix ans pour que
l'Etat se redresse sur le plan économique et
puisse contribuer au financement des
hôpitaux.
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