- NEUE
ZUERCHER ZEITUNG
- 15.
Februar 2002
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- Grossandrang auf
«Beatocellos»
Maternité
- Fortschritte beim Kampf
gegen «Säuglingstuberkulose»
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- mo. Bangkok, 14.
Februar
- Der Betrieb der im
vergangenen Oktober vom Zürcher Kinderarzt Beat
«Beatocello» Richner in der
nordwestkambodschanischen Stadt Siem Reap
eröffneten Maternité Jayavarman VII ist
überaus gut angelaufen. Der Andrang auf die
Annexklinik des gleichnamigen Pädiatriespitals,
der dritten, schon 1999 eröffneten
«Richner-Klinik» in Kambodscha, ist enorm.
Bereits sind in der Maternité 1210 Kinder zur
Welt gekommen. In 32 Fällen waren die Mütter
HIV-positiv. Dank Kaiserschnitt sowie entsprechender
Medikamentenbehandlung von Mutter und Kind, vor und
nach der Geburt, sind diese Säuglinge aber nicht
von der Seuche infiziert. Bis Mitte dieser Woche sind
in der Maternité zudem 10 100
Schwangerschaftskontrollen durchgeführt
worden.
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- Erreger in der
Muttermilch
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- Überdies
scheint Richner und seinem einheimischen
Ärzteteam Anfang dieser Woche ein wichtiger
Fortschritt beim Kampf gegen das sogenannte
«Kantha-Bopha-Syndrom» gelungen zu sein. An
dieser an den beiden Kinderkliniken in der
kambodschanischen Hauptstadt beobachteten
Tuberkuloseerkrankung der Säuglinge vor, bei oder
gleich nach ihrer Geburt starben bisher allein in
Kambodscha jährlich Hunderte von Kleinkindern.
Der Hauptbeweggrund Richners zur Gründung der
Maternité in Siem Reap war deshalb gewesen, die
Kinder schon vor und bei der Geburt vor Infektionen
mit den in Kambodscha grassierenden Seuchen
Tuberkulose und Aids zu schützen.
- Was nach der
Eröffnung der Geburtsklinik verblüffte, war
die weiterhin hohe Zahl von Tuberkuloseerkrankungen
(TB) bei Säuglingen, und zwar auch bei denjenigen
von vordergründig gesunden Müttern. Weil er
bei diesen kleinen Patienten immer wieder
Tuberkuloseerreger im Magensaft festgestellt hatte,
kam Richner vor einigen Tagen auf die Idee, in der
Milch einer solchen Mutter nach den Erregern zu
suchen. Der Befund war klar positiv, obwohl
Röntgenaufnahmen der Lungen der Mutter keinerlei
Hinweise auf eine Erkrankung ergeben hatten und auch
in ihren Brüsten keine für TB typischen
sogenannten Granulome festzustellen waren.
- Erst eine
Computertomographie brachte in der Lunge der Frau
einen Herd von TB-Erregern zum Vorschein, der wie bei
vielen Personen von robuster Gesundheit von der
körpereigenen Abwehr mit Kalkablagerungen
eingekapselt und vom restlichen Gewebe zwecks Schutz
vor Erkrankung isoliert worden war. Richner vermutet,
dass die sogenannte Immunosuppression, welche
während der Schwangerschaft die Ausstossung des
Fötus verhindert, diesen Selbstschutz des
Körpers unterbrochen und die TB-Erreger
vorübergehend aus ihrem Gefängnis ausbrechen
lassen hat. Zwar macht der weibliche Körper nach
der Geburt die Immunosuppression wieder
rückgängig, doch unterdessen ist die
Muttermilch bereits verseucht und der Säugling
mit TB infiziert worden, auch wenn die Mutter selber
weiterhin keine sonstigen TB-Symptome
aufweist.
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- Noch kein
Gegenmittel
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- Einmal auf dieses
Phänomen aufmerksam geworden, konnten Richner und
seine Ärzte dies bis am Donnerstag bereits in
fünf weiteren Fällen hieb- und stichfest
nachweisen. Wie Richner am Telefon sagte, werden
deshalb nun auch die gesund erscheinenden werdenden
Mütter in der Maternité genauer auf
möglicherweise vorhandene TB-Herde untersucht.
Noch ist allerdings unklar, wie die
«Vergiftung» der Muttermilch mit TB-Erregern
verhindert werden kann. Richners Beobachtungen
könnten aber von weitreichender Bedeutung sein,
nicht nur für Kambodscha und andere
Entwicklungsländer, in denen die TB - häufig
fälschlich als «normale Darm- und
Atemwegsinfektion» diagnostiziert - jährlich
Hunderttausende von Säuglingen dahinrafft,
sondern auch für die Tuberkulosebekämpfung
generell.
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