Kantha Bopha – Schweizer Wurzeln mit kambodschanischer Kraft
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- vor 7 Tagen
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Sie kümmern sich um kranke oder verunfallte Kinder und ihre Familien, verantworten die medizinische Qualität der Spitäler, sind Ansprechpersonen für die Mitarbeitenden und managen Tag für Tag den enormen Ansturm. Professor Dr. med. Ky Santy ist der Spitaldirektor in Phnom Penh, Professor Dr. med. Yay Chantana sein Pendant in Siem Reap. Wir sprechen mit den beiden über die alltäglichen Herausforderungen, den Support aus der Schweiz und erinnern uns dabei an die beiden Gründer Beat Richner und Peter Studer.
Die Leiter unserer Spitäler: Professor Dr. med. Yay Chantana (links) und Professor Dr. med. Ky Santy.
Sie haben jahrzehntelang Seite an Seite mit den beiden Gründern gearbeitet – Beat Richner (1947-2018) und Peter Studer (1947-2020). Was ist von ihnen geblieben?
Prof. Santy: Die von den Gründern festgelegten Grundprinzipien sind nach wie vor vollständig intakt. Das heisst, die gesamte medizinische Versorgung wird weiterhin kostenlos und ohne Diskriminierung angeboten, wodurch Kindern unabhängig von ihrem sozioökonomischen Hintergrund ein universeller Zugang gewährleistet ist. Die von Beat Richner und Peter Studer eingeführte Philosophie basiert auf Gerechtigkeit, Integrität und kompromissloser Qualität. Diese Grundsätze sind nach wie vor Teil unserer Praxis.
Prof. Chantana: Ja, wir führen das Vermächtnis unserer beiden Gründer fort, die unsere Vorbilder sind. Jedes Kind hat das gleiche Recht auf eine Behandlung nach professionellen ethischen Standards.
Prof. Santy: Organisatorisch bleiben die Gehälter der Mitarbeitenden angemessen, fair und transparent, und Korruption wird aktiv verhindert. Das medizinische Personal übt keine privaten Tätigkeiten ausserhalb der Krankenhäuser aus, wodurch ein uneingeschränktes berufliches Engagement gewährleistet ist.
Prof. Chantana: Dies ist ein wichtiger Grundsatz, den wir alle gemäss den Richtlinien der Gründer weiterhin einhalten, um das Krankenhaus erfolgreich zu führen. Und wir entwickeln jedes Jahr zudem moderne Techniken weiter, indem wir in jedem Fachbereich kontinuierlich mit mehrheitlich Professoren des Universitäts-Kinderspitals Zürich zusammenarbeiten. Durch diesen Austausch und Wissenstransfer werden Fähigkeiten und Kenntnisse gestärkt.
War es schwierig, ohne diese Gründer weiterzumachen?
Prof. Santy: Der Führungswechsel und die Aufrechterhaltung des institutionellen Gedächtnisses stellten ohne die beiden zentralen Persönlichkeiten eine Herausforderung dar. Ihre Abwesenheit war zweifellos spürbar, insbesondere in Momenten, in denen unter Druck schnelle Entscheidungen getroffen werden mussten. Beide Gründer zeichneten sich in schwierigen Situationen durch starke Führungsqualitäten, Klarheit und moralische Orientierung aus. Ihr Ansatz konzentrierte sich bewusst auf den Aufbau von Systemen einer gerechten Kultur, den Wissenstransfer und die Stärkung kambodschanischer Fachkräfte. Diese Weitsicht hat es den Krankenhäusern ermöglicht, weiterhin effektiv als kambodschanische Einrichtungen zu funktionieren, die von einer Zusammenarbeit mit mehreren Partnern unterstützt werden und nicht von einzelnen Personen abhängig sind.
Prof. Chantana: Zusammen mit Generaldirektor Dr. Denis Laurent und den Führungskräften der einzelnen Abteilungen sowie allen Mitarbeitenden arbeiten wir weiterhin mit aller Kraft und engagiert daran, den guten Ruf der bestehenden Spitäler zu erhalten und gleichzeitig neue Dienstleistungen zu entwickeln. Ziel ist es, den Gesundheitssektor zu verbessern, den Bedürfnissen unserer Patienten nachzukommen – dies in Übereinstimmung mit den Richtlinien des Gesundheitsministeriums. Und: Alle Probleme, die im täglichen Betrieb auftreten, müssen wir umgehend lösen. Das ist unsere Verantwortung gegenüber den Kindern und den Spitälern.
Wo sehen Sie heute die grössten Herausforderungen in den Spitälern?
Prof. Santy: Eine der dringendsten Herausforderungen bleibt die anhaltende Überbelegung. Die Bettenauslastung hat die Kapazitäten kontinuierlich überschritten und lag in den letzten Jahren bei 120 bis 150 Prozent. Auch die Nachfrage nach ambulanten Behandlungen ist nach wie vor sehr hoch.
Prof. Chantana: Und die langfristige Finanzierung der Spitäler ist für uns ein wichtiges Anliegen. Wir müssen sowohl in Kambodscha nach Finanzmitteln suchen als auch in der Schweiz – die Schweiz unterstützt unsere Spitäler ja seit über 30 Jahren. Was mir persönlich grosse Freude bereitet: Verbessert sich die finanzielle Situation von kambodschanischen Familien, denen wir einst medizinisch geholfen haben, kommen sie ins Krankenhaus zurück, um ihre Dankbarkeit zu zeigen. Oft spenden sie ein, zwei, drei oder sogar fünf Jahre später.
Prof. Santy: Das Personalmanagement stellt eine weitere Herausforderung dar. Erfahrene Mitarbeitende bilden zwar das Rückgrat der Krankenhäuser, doch aufgrund der Fluktuation sind kontinuierliche Rekrutierung, Schulung und Betreuung erforderlich, um die klinischen Standards aufrechtzuerhalten. Gleichzeitig sind das Engagement der Mitarbeitenden, die spürbaren Auswirkungen auf das Überleben von Kindern und das Vertrauen, das Familien in ganz Kambodscha in die Spitäler setzen, nach wie vor starke Motivationsquellen.
Wie viel Schweiz ist heute noch in den Spitälern präsent?
Prof. Chantana: Nach wie vor stammt ein grosser Teil unserer Finanzierung aus Schweizer Spenden – rund 60 Prozent. Und die Schweizer Stiftung ist für unsere Finanzkontrolle und das Budget zuständig.
Prof. Santy: Somit bleibt die Schweiz ein wichtiger Stützpfeiler. Diese internationale Solidarität ist nach wie vor grossartig, aber für uns auch unverzichtbar. Gleichzeitig hat die nationale Unterstützung durch die kambodschanische Kantha Bopha-Stiftung ebenso an Bedeutung gewonnen. Die Zusammenarbeit zwischen den Partnern aus beiden Ländern bildet nun ein ausgewogenes und nachhaltiges Modell, das die Vision der Gründer von gemeinsamer Verantwortung und langfristiger Kontinuität widerspiegelt.
Zu den Personen
Yay Chantana und Ky Santy studierten zusammen Medizin in Phnom Penh. In jener Zeit baute Beat Richner gerade das vom Krieg zerstörte Spital wieder auf. Zehn Ärztinnen und Ärzte aus ihrem Studienjahrgang wählte der Schweizer 1992 aus, um mit ihnen zusammen den Wiederaufbau von Kantha Bopha I zu schaffen. Chantana und Santy gehörten dazu. Und übrigens: Von den zehn Personen arbeiten bis heute noch sechs für uns – unter ihnen auch die beiden Vizedirektorinnen von Phnom Penh und einer der beiden Vizedirektoren von Siem Reap.

Im Januar 2026 wurden Yay Chantana und Ky Santy für ihre herausragenden Leistungen vom kambodschanischen Gesundheitsminister ausgezeichnet.
Prof. Dr. med. Yay Chantana
Er arbeitete vor seinem Studium als Nachtwächter in unserem Spital in Phnom Penh. Seit 1992 ist er für Kantha Bopha auch als Arzt tätig. Nach seinem Studium ging er für eine Weiterbildung nach Boston (USA), kehrte zurück und erweiterte sein Wissen stetig – von der Grundversorgung bis hin zu Herzoperationen.

Prof. Dr. med. Ky Santy
Arzt zu sein, ist für ihn ein Traumberuf. Er startete nach dem Studium in der Pädiatrie und wechselte bald zur Radiologie. Auf diesem Gebiet bildete er sich weiter, unter anderem auch in Marseille (Frankreich). 1996 wurde der erste Computertomograf in Kambodscha installiert – und er durfte damit arbeiten.









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