Wissen weitergeben, Leben retten

Die Fallzahlen des gefährlichen Denguefiebers stiegen 2026 im Vergleich zum Vorjahr um fast 50 Prozent an. Besonders Kinder tragen die Hauptlast dieser Infektionswelle und machen einen Grossteil der schweren Krankheitsverläufe aus. Allein in den Kantha Bopha-Spitälern in Phnom Penh und Siem Reap wurden zwischen Januar und August über 24’000 Dengue-Patienten behandelt, darunter mehr als 1’000 Kinder im lebensbedrohlichen Dengue-Schocksyndrom (DSS).
Schulungswelle in acht Provinzen
Um die medizinische Versorgung dort zu verbessern, wo erkrankte Kinder als Erstes begutachtet werden, initiierten unsere Kinderspitäler auf Initiative des Gesundheitsministeriums ein grossangelegtes Schulungsprogramm. Im August 2026 reiste Prof. Dr. Yay Chantana, Direktor des Jayavarman VII-Krankenhauses in Siem Reap, mit seinem Team in acht Provinzspitäler und Gesundheitszentren, darunter Battambang, Kampong Thom und Pursat. Der Ansatz war konsequent praxisorientiert:
Klinische Visiten vor Ort: Vormittags und nachmittags beurteilten die Experten die Kinder direkt an den Betten der Provinzkrankenhäuser, um die diagnostischen Fähigkeiten des Personals und das Behandlungs-Management in der Praxis zu schärfen.
Fokus auf Früherkennung: Neben der Behandlung des Schocks lag das Hauptaugenmerk auf dem Erkennen erster Warnzeichen und der exakten Dokumentation durch die Pflegekräfte. Es fanden auch Diskussionen in den jeweiligen Gesundheitsämtern der Provinzen statt.
«Training-of-Trainers»-Konzept: Insgesamt 568 Ärztinnen und Ärzte sowie pflegerische und weitere medizinische Fachkräfte (108 vor Ort, 460 per Videoschaltung) wurden weitergebildet. Sie tragen dieses Wissen nun weiter in ihre eigenen Teams.
Für Yay Chantana war diese Mission keine Einbahnstrasse. Neben der Wissensvermittlung ging es darum, die oft knappen Ressourcen und die reale Belastung der kleineren Krankenhäuser zu verstehen. «Mein Eindruck war sehr positiv. Das medizinische Fachpersonal war hoch motiviert und daran interessiert, die Behandlung von Dengue-Erkrankungen bei Kindern zu verbessern.»
Die Tücke der Erkrankung: Warum Stunden entscheiden
Unsere Teams verfügen über umfangreiche Erfahrung in der Behandlung von Kindern mit Denguefieber, einschliesslich schwerer und komplizierter Fälle. Eine der grössten Herausforderungen ist der oft unvorhersehbare Verlauf, der eine kontinuierliche Neubewertung erfordert, sagt Yay Chantana. «Der Zustand eines Kindes, das zunächst klinisch stabil erscheint, kann sich rasch verschlechtern. Die frühzeitige Erkennung von Warnzeichen, ein angemessenes Flüssigkeitsmanagement und eine engmaschige Überwachung können viele schwere Komplikationen verhindern.»
Wenn das Blutplasma durch die entzündeten Gefässe austritt, droht der Kreislauf zusammenzubrechen. Doch auch das Gegenteil birgt Gefahren: Eine übermässige oder falsche Flüssigkeitsgabe kann das Herz-Kreislauf-System der Kinder rasch überlasten. Die richtige Balance in der Intensivpflege erfordert tiefgehende klinische Erfahrung.
Würdigungen des Gesundheitsministers
Der kambodschanische Gesundheitsminister Prof. Chheang Ra würdigte bei einem Besuch in unserem Jayavarmann VII-Spital in Siem Reap den Einsatz und lobte unser Team für seine fachliche Kompetenz und das Engagement für eine gerechte Gesundheitsversorgung im Land. Er besuchte auch die Notaufnahme, wo momentan viele schwerkranke Denguefieber-Fälle behandelt werden und sagt: «Hier werden Kinder mit Mitgefühl, Kompetenz und Hoffnung gerettet.» Er brachte seine tiefe Wertschätzung zum Ausdruck und würdigte die hohe Belastung des medizinischen Personals in dieser schwierigen Zeit.
Chheang Ra traf auch mit Ausbildern und Auszubildenden aus mehreren Provinzen zusammen und ermutigte sie, ihr neu erworbenes Wissen an die Gesundheitsteams in ihren jeweiligen Regionen weiterzugeben. Ziel des Besuchs war es, Unterstützung zu leisten, Grüsse zu überbringen und dem medizinischen Personal, das sich dem Dienst an Kindern verschrieben hat, Dankbarkeit auszudrücken. Darüber hinaus bekräftigte der Minister seine Unterstützung für die fortlaufenden Bemühungen, die Qualität der Notfallversorgung für Kinder zu stärken und zu verbessern. Gleichzeitig forderte er, die Präventionsmassnahmen zu intensivieren, die Gesundheitsaufklärung zu verstärken und die Übertragung von Denguefieber durch eine enge Zusammenarbeit der Spitäler und der lokalen Behörden zu unterbinden.
Die Kantha Bopha-Spitäler unterstreichen damit einmal mehr ihre Rolle als zentrales Rückgrat des kambodschanischen Gesundheitswesens. Ihre Aufgabe besteht darin, die Provinzkrankenhäuser durch Schulungen, praktische Zusammenarbeit, Überweisungsnetzwerke und einen kontinuierlichen Erfahrungsaustausch zu stärken. Auf diese Weise kann das Wissen, das durch die Behandlung einer grossen Zahl von kleinen Patientinnen und Patienten erworben wurde, Kindern in ganz Kambodscha zugutekommen. So, dass jedes Mädchen und jeder Junge – unabhängig von Wohnort und finanziellen Mitteln der Eltern – eine rechtzeitige, überlebenswichtige und korrekte Behandlung erhält.




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