Hochsaison für Denguefieber
- stiftungkanthaboph
- 25. Juli
- 3 Min. Lesezeit

Zurzeit ist in Kambodscha Regenzeit – das bringt viel Grün und häufige Regenschauer mit sich, aber leider auch die Hochsaison für Denguefieber. Es begegnet uns täglich im Morgenrapport, auf den Stationen und in seiner schwersten Form auf der Intensivstation. Seit Anfang dieses Jahres wurden bereits 2554 Kinder wegen Dengue-Fieber im Kantha Bopha-Spital in Siem Reap hospitalisiert, wobei 15 Prozent auf der Intensivstation betreut werden müssen. Für uns Schweizer Medizinstudierende war Dengue bislang ein theoretischer Begriff – bekannt aus dem Lehrbuch, aber kaum greifbar, weil niemand von uns es je zuvor gesehen hatte. Wie es zu einer Dengue-Infektion kommt, wie sich die Krankheit äussert und wie das Kantha Bopha-Spital damit umgeht, erzählen wir euch jetzt.
Dengue ist eine durch die Aedes-Mücken übertragene Virusinfektion, die weltweit in tropischen und subtropischen Gebieten vorkommt. Der Dengue-Virus kann in vier verschiedenen Serotypen vorkommen, wobei man jeweils nur einmal pro Serotyp erkranken kann. Eine durchgemachte Infektion schützt nur gegen den jeweiligen Serotyp. Bei späteren Infektionen mit einem anderen Typ steigt das Risiko für einen schweren Verlauf.
Die Krankheit kann in drei Phasen eingeteilt werden: die febrile Phase, die afebrile Phase (auch kritische Phase genannt) und die Erholungsphase. Zum Ausbruch der Erkrankung und Start der febrilen Phase kommt es nach etwa 7 Tagen. Die ersten Symptome ähneln einem grippalen Infekt mit hohem Fieber, Muskelschmerzen und Schwindel, wobei es auch zu Zahnfleischblutungen und kleinen Hauteinblutungen kommen kann.
Sobald das Fieber anfängt zu sinken, beginnt die afebrile Phase, welche etwa 24 bis 48 Stunden andauert. Diese Phase ist besonders kritisch, da hier deutlich wird, ob es sich um einen milden oder schweren Verlauf handelt. Gewisse Kinder entwickeln hämorrhagisches Fieber, wobei Flüssigkeit verstärkt aus den Blutgefässen austritt und sich in verschiedensten Organen wie der Lunge oder der Haut einlagert sowie einen Abfall der Blutplättchen bewirkt. Durch Einlagerung der Flüssigkeit in den Lungen kommt es zu Atembeschwerden, sodass viele Kinder intubiert werden müssen. In dieser Situation sind die Kinder nicht ansprechbar und müssen künstlich ernährt werden.
Im schlimmsten Fall erleidet das Kind einen Schockzustand, auch Dengue-Schocksyndrom genannt, welcher sich als Kreislaufversagen äussert. Im Verlauf erleiden diese Kinder oftmals mehrere Schockzustände und mit jedem weiteren Schock verringern sich die Überlebenschancen. Bei prolongiertem Schock oder multiplen Schockzuständen können die Kinder schlussendlich an einem Multiorganversagen sterben. Falls die kritische Phase überstanden wird, nimmt der Körper die verlorene Flüssigkeit wieder auf und die Erholungsphase beginnt. Eine spezifische antivirale Therapie gibt es nicht, sondern es kann nur symptomatisch behandelt werden. Mückenspray oder Moskitonetze sind von hohem Belang, um einer Dengue-Infektion vorzubeugen.

Nun möchten wir euch zwei Patientinnen der Intensivstation vorstellen, die schwer an Dengue erkrankt waren. Eine unserer Patientinnen ist ein zehnjähriges Mädchen, das in einem Dengue-Schockzustand aufgenommen wurde. Sie erlitt insgesamt drei Schockzustände in der kritischen Phase. Tag und Nacht sass jeweils ein Elternteil am Bettrand der Tochter und war an der Pflege beteiligt. Im Unwissen, ob ihr Kind die kritische Phase überleben wird, war die Sorge im Gesicht der Eltern deutlich erkennbar. Glücklicherweise hat sie die kritische Phase überstanden und kann jetzt auf eine reguläre Bettenstation verlegt werden. Leider führt nicht jeder Krankheitsverlauf zu einem glücklichen Ende. Zur gleichen Zeit war auch ein sechsjähriges Mädchen auf der Intensivstation – ebenfalls mit einem Dengue-Schocksyndrom. Sie hatte während der kritischen Phase sechs Schockzustände erlitten. Statt einer Besserung kam es bei ihr trotz aller intensivmedizinischen Bemühungen zu einem Multiorganversagen. Sie verstarb im Beisein der Eltern in jener Nacht.
Solche Geschichten sind keine Einzelheiten. Nachdem ein Kind stirbt oder entlassen wird, bleibt das Bett nicht lange leer und innerhalb von Stunden wird ein neuer Dengue-Fall aufgenommen. Dank der kompetenten medizinischen Betreuung des Spitals haben die meisten Verläufe ein gutes Ende und die PatientInnen können entlassen werden. Von den bislang in diesem Jahr gemeldeten 2554 Dengue-Fällen entfallen 2225 (87,1 Prozent) auf klassisches Dengue-Fieber, während 329 Fälle (12,9 Prozent) mit Komplikationen wie Dengue-hämorrhagischem Fieber oder dem Dengue-Schocksyndrom einhergingen. Leider sind seit Anfang Jahr sieben PatientInnen an den Komplikationen verstorben.

Die Zeit auf der Intensivstation hat uns zutiefst geprägt und die Krankheitsverläufe mit gutem sowie schwerem Ende werden uns für immer in Erinnerung bleiben. Wir möchten uns herzlich bedanken beim Team der Intensivstation für das Weitergeben ihres breitgefächerten Wissens und die unermüdlichen Bemühungen im Kampf gegen das Denguefieber.
Mit besten Grüssen aus Siem Reap
Rebecca, Elodie und Lars