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Einblick in die Onkologie

  • stiftungkanthaboph
  • vor 2 Tagen
  • 3 Min. Lesezeit

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Während unserer Zeit als Studierende in Kambodscha konnten wir in den pädiatrischen Intensivstationen, der Maternité oder auch in der Chirurgie unzählige Erfahrungen sammeln. Natürlich gibt es aber auch noch viele andere Stationen in diesem Spital, und über eine davon würde ich gerne etwas mehr berichten.


Die onkologische Station in Siem Reap ist Stand November die jüngste Abteilung des Spitals. Offiziell eröffnet wurde sie am 2. Mai dieses Jahres. Die ersten Patientinnen und Patienten wurden Ende des Monats in eines der 24 verfügbaren Betten aufgenommen. Zuvor konnte im Spital keine Chemotherapie angeboten werden. Eine Behandlung war nur in teuren Privatkliniken oder in der weit entfernten Hauptstadt möglich. Auch aktuell müssen Patientinnen und Patienten, die eine Radiotherapie, also eine Bestrahlung, benötigen, noch in das Kantha Bopha-Spital in Phnom Penh überwiesen werden.


Mit der Zeit füllte sich die Station mehr und mehr, und mittlerweile sind 21 junge Patientinnen und Patienten dort untergebracht. Die Unterbringung an sich ist kein kleiner Aufwand. Krebstherapien sind oft langwierig und anstrengend, die Kinder bleiben daher häufig über mehrere Wochen oder sogar Monate auf der Station. Für die Familien bedeutet das, dass ihr Alltag völlig auf den Kopf gestellt wird. Meist sind die Mütter, besonders bei den jüngeren Kindern, tagsüber im Spital. Die Familie ist nicht nur für die Pflege, sondern auch für die Ernährung des Kindes verantwortlich. Das Spital unterstützt die Eltern dabei mit einem kleinen «Zustupf» von 10’000 Riel pro Tag (ca. 2 Schweizer Franken).


Mich hat es berührt, zu hören, dass die Eltern untereinander oft eine Art Arbeitsteilung entwickeln: So kocht zum Beispiel eine Mutter für mehrere Kinder gleichzeitig, während ihr eigenes Kind in der Obhut der anderen Mütter ist. Zusätzlich gibt es einen Schlafsaal direkt über der Station, in dem die Eltern die Nacht verbringen können.



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Das Team der onkologischen Station besteht aus drei Ärzten und 17 Pflegepersonen. Dr. Sok Heng, Dr. Kadinal und Dr. Sovanndara arbeiteten zuvor mehrere Jahre im Spital auf verschiedenen Stationen als Allgemeinmediziner, bis sie bei der Planung der neuen Station von Professor Chhun ausgewählt wurden. Für sie bedeutete das eine grosse Umstellung ihres Arbeitsalltags: Plötzlich geht es darum, Chemotherapien nach komplexen Protokollen zu planen und Knochenmarkpunktionen durchzuführen. Trotz dieser rapiden Umstellung und der intensiven Umschulung in kürzester Zeit haben sie sich rasch an den neuen Alltag gewöhnt; alle drei sagen, dass sie die Arbeit auf der Station sehr schätzen gelernt haben.


Natürlich bestreiten sie den Arbeitstag nicht allein. Das Team aus 17 Pflegepersonen unterstützt das Ärzteteam täglich: beim Legen von Infusionen, beim regelmässigen Protokollieren und manchmal auch in ganz unerwarteter Form: Roat, einer der Pfleger, ist ein begnadeter Sänger und Gitarrist (ein Talent, das ihn 2018 sogar in die Endrunde von «Cambodia’s Got Talent» gebracht hat). Sobald das morgendliche Gewusel der Arbeit vorbei ist und am Nachmittag etwas Ruhe einkehrt, verwandelt sich die Station: Im Zentrum werden kindergerechte Stühle und Tische aufgestellt, es wird gemalt und gespielt. Richtig vollständig ist es aber nie, bevor Roat seine Gitarre hervorholt und ein kleines Konzert für die Kinder veranstaltet. Dabei singt er nicht nur traditionelle kambodschanische Lieder (die bei den Kindern sehr beliebt sind und viele zum Mitsingen anregen), sondern auch Songs seines Lieblingskünstlers Bruno Mars. Ich musste schmunzeln, als ich sah, wie sich in seinem Notizbuch die onkologischen Abläufe und Songtexte mit Gitarrenakkorden die Seiten teilen.


Es sind diese Details, die die Erfahrungen in diesem Spital so einzigartig machen. Und ich hoffe, Beat Richner wäre stolz auf sein Vermächtnis, das in der Onkologie in etwas anderer Form weiterlebt.


Liebe Grüsse aus Siem Reap

Jason

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