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Zwei Monate später …

stiftungkanthaboph
vor 7 Tagen
5 Min. Lesezeit

Während zwei Monaten durften wir unser klinisches Praktikum in den Kantha Bopha-Kinderspitälern in Phnom Penh absolvieren. Wir blicken auf eine unglaublich lehrreiche, eindrucksreiche und bereichernde Zeit zurück, in der wir nicht nur unser medizinisches Wissen erweiterten, sondern auch viele neue Perspektiven auf die Gesundheitsversorgung gewinnen konnten. Von Beginn an wurden wir vom Spitaldirektor Prof. Santi, seiner Stellvertreterin Prof. Yaneth und dem gesamten Team herzlich empfangen und in den Spitalalltag integriert. Besonders beeindruckt hat uns die Offenheit der Mitarbeitenden und ihre Bereitschaft, uns trotz des enormen Arbeitsaufkommens in die klinische Arbeit einzubeziehen und ihr Wissen mit uns zu teilen.


Bereits in der ersten Woche wurde uns bewusst, welche zentrale Rolle die Kantha Bopha-Kinderspitäler für die medizinische Versorgung in Kambodscha spielen. Täglich werden Tausende Kinder ambulant oder stationär behandelt, darunter viele schwer kranke Patientinnen und Patienten, die aus den Provinzen nach Phnom Penh überwiesen werden. Besonders eindrücklich waren die hohen Patientenzahlen und die grosse Auslastung der Stationen. Während der Dengue-Saison liegen beispielsweise regelmässig deutlich mehr Kinder auf den Stationen, als Betten zur Verfügung stehen. Teilweise mussten sich zwei oder gar drei Kinder ein Bett teilen.


Auch die Intensivstationen waren stark ausgelastet. Gleichzeitig erhielten wir einen Einblick in das breite medizinische Spektrum, das von häufigen Infektionskrankheiten über komplexe angeborene Fehlbildungen bis hin zu schweren neurologischen Erkrankungen und Krebserkrankungen reicht. Besonders bemerkenswert fanden wir, dass die Behandlung für alle Kinder kostenlos ist. Dadurch erhalten auch Familien mit begrenzten finanziellen Möglichkeiten Zugang zu medizinischer Versorgung, die sie sich andernfalls nicht leisten könnten.



Während unseres Aufenthalts durften wir verschiedene Fachbereiche kennenlernen und unser Wissen in der Pädiatrie vertiefen. Zu Beginn waren wir in der Chirurgie und auf den pädiatrischen Stationen tätig. Im Operationssaal konnten wir verschiedene Eingriffe beobachten und uns auch praktisch einbringen. Anschliessend verbrachten wir mehrere Wochen auf unterschiedlichen Intensivstationen, wo wir Kinder mit schwerem Dengue-Fieber, Bronchiolitis, Meningoenzephalitis, Polytraumata und komplexen angeborenen Fehlbildungen betreuten. Dabei konnten wir unser klinisches Denken verbessern und lernten, Krankheitsverläufe genauer einzuschätzen und therapeutische Entscheidungen besser nachzuvollziehen. In den Wochen hier wurden wir von den Ärztinnen und Ärzten immer wieder nach unseren Einschätzungen gefragt. Danach nahmen sie sich immer die Zeit, unsere Einschätzungen zu besprechen. So konnten wir effektiv theoretische Kenntnisse direkt mit der klinischen Praxis verbinden.


Ein weiterer wichtiger Teil unseres Praktikums war die Neonatologie. Dort lernten wir die Betreuung von Früh- und Neugeborenen kennen und wurden von den behandelnden Ärztinnen geduldig in verschiedene Krankheitsbilder und Behandlungsmöglichkeiten eingeführt. Besonders eindrücklich war für uns, wie stark die Prognose eines Frühgeborenen von den Möglichkeiten der Erstversorgung abhängen kann. Einige Kinder wurden aus den Provinzen in einem bereits kritischen Zustand nach Phnom Penh gebracht, nachdem sie zuvor nicht ausreichend beatmet werden konnten oder die notwendige Ausstattung gefehlt hatte. Bei ihrer Ankunft waren manche aufgrund eines länger anhaltenden Sauerstoffmangels bereits schwer geschädigt.


Auch die Unterschiede zur Versorgung in der Schweiz wurden uns bewusst: Während hierzulande teilweise bereits Kinder ab der 24. Schwangerschaftswoche intensivmedizinisch versorgt werden, liegt die Grenze in Kambodscha nach unseren Beobachtungen bei etwa 28 Schwangerschaftswochen. Diese Erfahrungen zeigten uns, wie entscheidend eine gute Erstversorgung, geeignete medizinische Geräte und die Weiterbildung des Gesundheitspersonals sind.



Auf der kardiologischen Station erhielten wir weiter die Möglichkeit, uns intensiv mit angeborenen Herzfehlern und der Echokardiographie auseinanderzusetzen. Unter Anleitung der Ärztinnen und Ärzte lernten wir, Ultraschalluntersuchungen durchzuführen und verschiedene Herzfehler zu erkennen. Die grosse Anzahl an Untersuchungen und die regelmässig stattfindenden Herzoperationen beeindruckten uns sehr. Auch auf der pädiatrischen Onkologie-Station konnten wir wertvolle Erfahrungen sammeln. Wir lernten verschiedene Tumorerkrankungen und deren Behandlung kennen und durften bei der Erklärung von Chemotherapien, einer Knochenmarkaspiration und der Verabreichung einer Chemotherapie dabei sein. Dabei begegneten wir Kindern mit sehr unterschiedlichen Heilungschancen. Besonders schwierig war es, mitzuerleben, wenn keine heilende Behandlung mehr möglich war. In solchen Situationen wurde uns bewusst, wie wichtig neben der medizinischen Versorgung auch die mentale Unterstützung der Kinder und ihrer Familien sowie die Linderung von Beschwerden des Krebses sind.



Neben den vielen fachlichen Erfahrungen hat uns vor allem der Umgang mit den begrenzten Ressourcen beschäftigt. Obwohl die Mitarbeitenden mit grossem Engagement und hoher fachlicher Kompetenz arbeiten, sind die Möglichkeiten durch die vorhandene Infrastruktur und die finanziellen Mittel teilweise eingeschränkt. So erfolgte die Überwachung der Kinder auf den Intensivstationen häufig manuell, und auf der Neonatologie waren einzelne Wärmelampen an den Babybetten aufgrund ihres Alters nicht mehr funktionsfähig.


Auch bei der Diabetesbehandlung wurde uns dieser Unterschied deutlich: Die Blutzuckerkontrolle konnte bei den von uns begleiteten Kindern teilweise nur einmal täglich durchgeführt werden, während eine kontinuierliche Messung aus Kostengründen nicht infrage kam. Was für uns aus der Schweiz selbstverständlich erscheint, ist dort nicht immer verfügbar. Diese Beobachtungen haben uns nochmals vor Augen geführt, dass eine gute medizinische Versorgung nicht allein von der Kompetenz der behandelnden Personen abhängt, sondern ebenso von der Verfügbarkeit geeigneter Geräte, Medikamente und Verbrauchsmaterialien.


Gerade deshalb wurde uns während unseres Praktikums die Bedeutung der Beat Richner-Stiftung besonders deutlich. Dass die Kinder unabhängig von den finanziellen Möglichkeiten ihrer Familien kostenlos behandelt werden können, ist alles andere als selbstverständlich. Gleichzeitig sahen wir täglich, wie gross der Bedarf ist und wie sorgfältig die vorhandenen Mittel eingesetzt werden müssen. Die Finanzierung der medizinischen Versorgung, die Bereitstellung geeigneter Infrastruktur und die Unterstützung der Mitarbeitenden sind entscheidend, damit die Spitäler ihre wichtige Aufgabe erfüllen können. Unsere Beobachtungen machten uns bewusst, dass hinter jeder Untersuchung, jeder Behandlung und jedem betreuten Kind eine grosse organisatorische und finanzielle Leistung steht.


Vielleicht wird, gerade weil finanzielle und technische Mittel so begrenzt sind, hier sehr viel Wert auf die Ausbildung und die Weitergabe von Wissen gelegt. Während unseres Aufenthalts fanden Schulungen für medizinisches Personal und Eltern statt, und wir konnten den Austausch mit einem Ärzteteam aus Singapur, das seine Behandlungsansätze zum Dengue-Fieber vorstellte, miterleben. Solche Begegnungen zeigen, wie wichtig die Zusammenarbeit über institutionelle und nationale Grenzen hinweg ist, um die Versorgung der Kinder langfristig zu verbessern.



Auch die Menschen, denen wir während dieser zwei Monate begegneten, werden uns in besonderer Erinnerung bleiben. Viele Ärztinnen, Ärzte und Pflegefachpersonen nahmen sich trotz ihres anspruchsvollen Arbeitsalltags Zeit für uns, erklärten uns Krankheitsbilder und begleiteten uns bei unseren ersten praktischen Erfahrungen. Wir fühlten uns in den Teams sehr willkommen und konnten fachlich wie auch persönlich viel von ihnen lernen. Ein besonderer Moment war die Gedenkfeier zum Todestag von Dr. Beat Richner und Dr. Peter Studer, an der Mitarbeitende aus verschiedenen Bereichen des Spitals teilnahmen. Dabei wurde spürbar, wie tief das Engagement der beiden Ärzte in der Institution verankert ist und wie wichtig ihre Arbeit für die Menschen vor Ort bis heute bleibt.


Rückblickend war unser Praktikum in Kambodscha eine prägende Erfahrung, die uns professionell sowie persönlich weitergebracht hat. Wir konnten unser Wissen in zahlreichen Fachbereichen erweitern, praktische Fähigkeiten erwerben und viele Krankheitsbilder kennenlernen, denen wir in dieser Form bisher nicht begegnet waren. Gleichzeitig haben wir gelernt, medizinische Möglichkeiten stärker im Zusammenhang mit den vorhandenen Ressourcen zu betrachten und die Herausforderungen eines anderen Gesundheitssystems besser zu verstehen. Besonders viel Respekt haben wir vor den lokalen Mitarbeitenden gewonnen, die unter teilweise sehr anspruchsvollen Bedingungen täglich eine beeindruckende Zahl an Kindern versorgen und dabei grosses fachliches und persönliches Engagement zeigen.


Wir sind der Beat Richner-Stiftung sehr dankbar, dass wir diese Erfahrungen machen durften. Unser herzlicher Dank gilt ebenso dem Spitaldirektor Prof.. Santi, Prof. Yaneth, allen Ärztinnen und Ärzten, dem Pflegepersonal sowie sämtlichen Mitarbeitenden der Kantha-Bopha-Kinderspitäler, die uns während unseres Aufenthalts unterstützt und begleitet haben. Ihre Offenheit, ihre Geduld und ihre Begeisterung für die medizinische Arbeit haben wesentlich dazu beigetragen, dass wir aus diesen zwei Monaten so viel mitnehmen konnten.


Wir kehren mit grosser Dankbarkeit, vielen wertvollen Erfahrungen und einer noch grösseren Wertschätzung für die Arbeit der Kantha Bopha-Kinderspitäler zurück.

Mit herzlichen Grüssen

Romain und Melina

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