Auf zu neuen Ufern
- stiftungkanthaboph
- vor 1 Tag
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Der August beginnt für uns dieses Jahr etwas anders. Anstelle eines gemütlichen Brunchs oder einer Feuerwerksshow zum ersten August reisen wir in ein Land, das für uns noch völlig unbekannt ist. Nach rund 20 Stunden Reisezeit landen wir in einem neuen Klima, einer neuen Stadt, einer neuen Kultur. Wir sind umgeben von neuen Gerüchen, Geräuschen sowie von Tieren, mit denen wir in der Schweiz eher selten Bekanntschaft machen: Fledermäuschen, Äffchen! Wir sind in Phnom Penh angekommen! Nach einer herzlichen Begrüssung durch den Spitaldirektor Santi und sein Team beginnt unsere erste Woche im Kantha Bopha Children's Hospitals. Für mich geht es auf die chirurgische Station, während Melina auf der internistischen Station startet.

Während der ersten Tage lernen wir zahlreiche Mitarbeitende kennen und erhalten einen ersten Einblick in den Alltag des Spitals. Gleichzeitig bleibt auch etwas Zeit, die Stadt und das Land kennenzulernen. Wir kommen in den Genuss der kambodschanischen Küche und verbringen das Wochenende bei einem Ausflug nach Koh Dach, einer Insel im Mekong. Dort können wir auf einer Führung eine traditionelle Seidenweberei besuchen und selbst Hand anlegen. So spannend unsere Eindrücke ausserhalb des Spitals auch sind, führen unsere Gespräche im Alltag immer wieder zum Kantha Bopha. Zu viel Spannendes läuft in diesem Spital Tag für Tag ab.

Jeden Morgen um 7.15 Uhr findet der Rapport statt, wie wir ihn auch aus der Schweiz kennen. Allerdings erleben wir ihn hier in einer etwas anderen Dimension: Die gesamte Ärzteschaft sowie grosse Teile des Pflegepersonals versammeln sich im selben Raum. Gemeinsam werden die Ereignisse und Patientenzahlen des vergangenen Tages besprochen. Und dort beginnt jeden Tag unser Staunen aufs Neue: Mehr als 2000 Notfälle sind die Norm, während gleichzeitig mindestens 1700 Kinder stationär im Spital behandelt werden. Speziell betont werden jeweils die Dengue-Fälle. Denn während Dengue endemisch im Land ist, beginnt mit der Regenzeit im August der Wandel von der Endemie zur Epidemie.

Mit Beginn der Regenzeit nimmt in Kambodscha die Zahl der Dengue-Infektionen deutlich zu. Während unserer ersten Woche steigt die Zahl der hospitalisierten Kinder mit Dengue-Fieber kontinuierlich an: Waren es zu Beginn der Woche noch knapp 100 Kinder, sind es am Ende bereits über 130. Die Auswirkungen sind unmittelbar sichtbar. Auf der internistischen Station teilen sich viele unserer kleinen Patientinnen und Patienten mittlerweile ein Bett zu zweit oder sogar zu dritt. Auch auf der Kinderintensivstation muss der verfügbare Platz geteilt werden: Befinden sich ausserhalb der Dengue-Periode etwa 10 bis 15 Patienten auf der Station, so sind es zu dieser Zeit über 30 Kinder. Und während die Stationen so voll sind, leitet Kantha Bopha gemeinsam mit dem Schwesterspital Jayarvarnam VII in Siem Reap eine Ausbildungskampagne bezüglich Dengue. Während unserer ersten Woche fanden so zahlreiche Schulungen für Mitarbeitende des Spitals sowie für externe Ärztinnen, Ärzte und Pflegefachpersonen statt. Im Zentrum steht dabei die frühzeitige Erkennung und Behandlung schwerer Dengue-Verläufe.

So wichtig die Therapie von Dengue aktuell auch ist, ist dies nur ein Teil dessen, was uns im Spital begegnet. Der Alltag in Phnom Penh geht weiter – und mit ihm kommen Kinder mit den unterschiedlichsten Erkrankungen: Wir sehen angeborene Erkrankungen und Syndrome, die erst im Laufe der Entwicklung auffallen. Weiter kommen Kinder nach akuten Ereignissen, wie Verkehrsunfällen, Stürzen mit Knochenbrüchen sowie diversen Infektionskrankheiten von bekannten Varizellen bis hin zur uns weniger bekannten Melioidose. Die Bandbreite der Diagnosen ist enorm.
Diese grosse Bandbreite lässt sich wohl unter anderem darauf zurückführen, dass Kantha Bopha zu den wichtigsten Einrichtungen der pädiatrischen Versorgung Kambodschas gehört. Gerade bei komplexen Krankheitsbildern werden Kinder aus anderen Spitälern und Kliniken nach Kantha Bopha überwiesen, da dort die notwendigen diagnostischen, therapeutischen oder finanziellen Möglichkeiten schlichtweg fehlen. Für uns bedeutet das, dass wir bereits in unserer ersten Woche eine beeindruckende Vielfalt an Krankheitsbildern kennenlernen sowie einen wertvollen Einblick in ein Gesundheitssystem erhalten. Und obwohl sich das Gesundheitssystem hier in Kambodscha von dem der Schweiz unterscheidet, erinnerten die Grundsätze uns an die der Schweiz: Patienten stehen im Zentrum und das gesamte Umfeld wird zum Wohl der Patienten gestaltet.

Nach nur einer Woche haben wir das Gefühl, gerade erst angekommen zu sein. Gleichzeitig haben wir bereits unglaublich viel gesehen, gelernt, erlebt und freuen uns auf die kommenden Wochen.
Mit herzlichen Grüssen aus Phnom Penh
Melina und Romain




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