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Fröhliches Khmer-Neujahr

  • stiftungkanthaboph
  • vor 2 Tagen
  • 2 Min. Lesezeit


Der Duft von Jasmin und Räucherstäbchen liegt in der Luft, Wasserfontänen sprühen durch die grossen Strassen und engen Gassen von Siem Reap, und aus jedem Tempel dröhnt festliche Musik. Siem Reap feiert Choul Chnam Thmey, das Khmer-Neujahr. Mitten in der flirrenden Hitze des südostasiatischen Aprils findet hier eines der lebendigsten und herzlichsten und zugleich traditionsreichsten Feste der Region statt.


Das Khmer-Neujahr ist tief im hinduistisch-buddhistischen Sonnenkalender verwurzelt. Es fällt auf Mitte April und markiert das Ende der Erntezeit sowie den Beginn eines neuen landwirtschaftlichen Zyklus. Einer alten Legende zufolge übergibt jedes Jahr ein himmlischer Engel seine Aufgabe an einen neuen Wächter der Erde. Dessen Ankunft wird mit Gebeten, Opfergaben und festlichen Mahlzeiten gefeiert. Historisch reichen die Ursprünge des Festes bis in die Zeit des Khmer-Reiches zurück. Mit der Ausbreitung des Buddhismus ab dem 13. Jahrhundert verschmolzen hinduistische und buddhistische Rituale zu der Form, die bis heute praktiziert wird.


Das Fest dauert drei Tage, die jeweils eine eigene Bedeutung tragen. Am ersten Tag, Moha Songkran, wird der neue Engel willkommen geheissen. Die Häuser werden gereinigt und dekoriert, und Opfergaben wie Früchte, Getränke, aber auch Blumen werden sorgfältig arrangiert. In den Pagoden versammeln sich die Menschen in festlicher Kleidung, bringen den Mönchen Gaben dar und bitten um Segen für das kommende Jahr.


Der zweite Tag, Virak Vanabat, steht im Zeichen der Grosszügigkeit. Ältere Familienmitglieder und Bedürftige werden beschenkt, Spenden werden verteilt, und in den Tempeln finden erste Reinigungsrituale statt. Häufig werden auch kleine Sandhügel aufgeschichtet, ein symbolischer Akt, der Glück und ein langes Leben bringen soll.


Am dritten Tag, Vearak Loeng Sak, beginnt offiziell das neue Jahr. Im Mittelpunkt steht das Ritual «Pithi Srang Preah»: Buddha-Statuen werden mit duftendem Wasser gewaschen, ebenso wie Mönche und ältere Familienmitglieder. Diese Geste symbolisiert das Reinigen von vergangenen Fehlern, das Bitten um Vergebung und den Wunsch nach einem gesegneten Neuanfang.





Und dann ist da noch die Realität auf den Strassen: Was ursprünglich als sanftes Besprenkeln mit parfümiertem Wasser am dritten Tag gedacht war, entwickelt sich im Verlauf der Jahre zu einer ausgelassenen, tagelangen Wasserschlacht. Kinder lauern mit Wasserpistolen, Jugendliche und Erwachsene fahren mit Pickup-Trucks und Motorrädern durch die Strassen, bewaffnet mit Eimern, teils auch ganzen Kühltruhen gefüllt mit eisgekühltem Wasser, und selbst Gartenschläuche kommen zum Einsatz. Gleichzeitig tauchen aus dem Nichts Hände auf, die einem weisses, manchmal aber auch buntes Babypuder ins Gesicht streichen, mal sanft, mal übermütig, aber immer begleitet von einem herzhaften Lachen und Neujahrsglückwünschen.


Nach wenigen Minuten ist man mittendrin: klatschnass, mit Puder bedeckt, und unweigerlich lächelnd. Widerstand ist zwecklos und auch gar nicht gewollt. Denn genau darin liegt der Zauber dieses Festes: die völlige Hingabe an den Moment, im gemeinsamen Feiern, im spielerischen Chaos und in der ansteckenden Freude, die Menschen jeden Alters verbindet.

Niemand, wirklich niemand, entkommt trocken. Mitmachen ist keine Option, sondern die einzig richtige Entscheidung.

Mit herzlichen Grüssen aus Siem Reap

Frederik

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